KUNO und AMANDA oder Das Drehverhältnis am Südpol
Kuno Lechner berichtet über seine Drehreise
- 10. Dezember Flug nach Neuseeland. Für die WDR III Sendung "Nah dran" beginnen wir mit den Dreharbeiten, bei denen der Wissenschaftler Christian Spiering (DESY/Zeuthen) während der gesamten Forschungsreise dokumentiert wird.
- 17. Dezember Flug nach McMurdo, der US-Forschungsstation an der Antarktisküste. Hier und später am Südpol setzen wir den Dreh für "Nah dran" fort, beginnen aber vor allem mit den Aufnahmen für das Projekt AMANDA. U. a. fliegen wir zu historischen Orten, wie den Hütten von Scott und Shackleton.
- 27. Dezember Flug an den Südpol. Wir sind untergebracht in Jamesway-Hütten zusammen mit der restlichen Sommerbesatzung der Polstation. Die Temperaturen schwanken um minus 35 Grad Celsius, für Mann und Gerät ist das häufig die Grenze des Erträglichen.
Im Rahmen des AMANDA-Projekts werden hier auf einem Areal von rund 100 m Seitenlänge Messinstrumente bis zu Tiefen von 1,5 km in das Eis abgetäuft. Das so entstehende Messareal ergibt das eigentliche Teleskop, mit dem Neutrinos nachgewiesen werden sollen, die den gesamten Erdball durchdrungen haben. In unserem Film geht es darum, den Aufbau und die Methoden der Forschung vor Ort zu dokumentieren und zu erläutern. Da im antarktischen Sommer die Sonne nicht untergeht, sind Arbeits- und Schlafzeiten von den Ereignissen bestimmt.
Neben den beiden eigentlichen Drehs für AMANDA haben wir mehrere andere Aufträge zu erledigen. So setzen wir für die Sendung mit der Maus die Fragen "Was trägt man am Südpol?" und "Wie baut man ein Iglu?" kindergerecht in Szene. Für die wissenschaftliche Quizsendung "Kopfball" der ARD stellen wir authentisch dar, warum man am Südpol keine Schneeballschlacht machen kann. Für die Tagesschau nehmen wir die jährliche Polverlegung auf, editieren sie vor Ort und übertragen sie über Satellit. Die erste editierte Direktübertragung vom Südpol gelingt uns für die Wissenschaftssendung "Nano" des Senders 3Sat über die Silvesterfeier am Südpol. Für die Eröffnungsveranstaltung zum Jahr der Physik 2000 in Berlin am 18. Januar drehen wir einen Beitrag "Forschung am Südpol".
Kameratechnik Je nach Notwendigkeit und Rahmenbedingungen habe ich mit unterschiedlichen Kameras auf BetaCam SP, auf Hi8 (Unterwasseraufnahmen), DV und DVCam (NTSC) gedreht. Da bei den am Pol herrschenden Temperaturen die Videobänder und die Kameramechanik nicht lauffähig sind, mussten die Kameras während der Außendrehs immer in speziellen Wärmetaschen gehalten werden. Insgesamt habe ich 50 Stunden Videomaterial aufgezeichnet.
Aus dem persönlichen Tagebuch
Silvester 99. Morgens erst mal Skiläufer aus Singapur gefilmt, dann Ausmessen des neuen Polpunktes, danach Deployment der Messinstrumente bis 20.30 Uhr; ab 23.00 Uhr Dreh der großen Silvesterparty in der Garage (Thorsten mit V8-Kamera auf NTSC und ich auf SP-Pal); um 0.00 Uhr Foto vom erstem Jahrtausend-Sonnenstrahl mit Millenium-Uhr am Pol gemacht. 3.51 Uhr Neujahrsgrüße an Kollegen in der IWF gemailt. 4.30 Uhr US-Kamerateam gefilmt, wie es die gestellte Polverlegung für Direktübertragung aufnimmt. 6.00 Uhr endlich im Bett, deutsches Silvester verpennt.
E-Mail vom Pol
Betreff: Polare Neujahrswünsche
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ich hänge jetzt also irgendwo ganz unten an der Erde. Es gibt hier außer Eis wirklich nichts. Und mitten drin ein Loch - der Südpol. Da der Eispanzer sich pro Jahr etwa 9 Meter Richtung Küste bewegt, wird der Pol jedes Neujahr neu markiert. Das geschieht heute um 4.00 Uhr und ich werde es aufnehmen! Vorher habe ich das Ausmessen des neuen Polpunktes gefilmt. So wünsche ich also euch allen ein gutes Neues Jahr(tausend) Euer Kuno Lechner [lechneku@spole.gov] Sa., 01.01.00, 03:51 Uhr
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13.03.2010,
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Nonnenstieg 72, D-37075 Göttingen
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